Barbaratag war schon vorgestern – aber so streng sind die Pflanzen nicht mit uns: wir können auch in den Tagen danach Barbarazweige pflücken. Frost haben sie jetzt bekommen, nun stellen wir sie in lauwarmes Wasser ins Zimmer. Schlehenzweige eignen sich, Kirschen, Forsythien. In den Rauhnächten werden sie aufblühen und mit uns das zunehmende Licht feiern und einen kleinen Vorgeschmack auf den Frühling geben…

Eine Schneedecke hat Alles mit ihrem hellen Weiß überzogen. Ich sitze oben am Berg, genieße den weiten Blick übers Flußtal, die strahlende Helligkeit. Unter dem Schnee verharren die Kräuter und Bäume, warten ab, bereiten sich vor. Einige Samen brauchen ja den Kältereiz des Winters, um im Frühjahr keimen zu können. Die grüne Kraft fühlt sich verhalten an – bis auf eine eigenartige Kugel, die im Apfelbaum über mir hängt: die Mistel! Sie strahlt auch jetzt aktive Kraft aus, hüllt mich darin ein. Sie knospt, blüht, fruchtet in ihrem eigenen, ganz anderen Rhythmus. Deshalb hilft sie uns ja auch, unseren eigenen Rhythmus zu finden, gerade wenn Herz oder Blutdruck arhythmisch geworden sind. Merkt Euch die Bäume, die viele Misteln tragen, und schaut darunter nach, wenn es mal stürmische Winde gab – oft werden wir dann mit Misteln beschenkt. Die Beeren sind giftig; aus den Blättern und Stängeln könnt Ihr einen Kaltauszug bereiten: 8 Stunden in kaltem Wasser ansetzen, dann trinken, kalt oder leicht erwärmt.

Heuer beginne ich wieder mit unregelmäßigen Tagebucheinträgen.
Ich hatte ja versprochen, noch mehr über Anwendungen der Schlehe zu schreiben; deshalb jetzt hier das Saftrezept: frisch gesammelte Schlehen in einem flachen Gefäß ausbreiten, mit kochendem Wasser übergießen, abdecken, 24 Stunden ziehen lassen. Die Flüssigkeit abseihen und wieder auf 100 Grad erwärmen, wieder die Schlehen übergießen, 24 Stunden ziehen lassen; das Selbe nochmal wiederholen. Nach diesem 3. Mal ist der Saft dunkel, schwer und süß – ohne einen Krümel Zucker! Entweder gleich genießen, weils so unwiderstehlich gut schmeckt, oder zur Haltbarmachung nochmal erhitzen und in Flaschen füllen.
Damit trinken wir einen Stärkungstrunk, der besonders gut in die dunkle Zeit passt. Denn die Schlehe ist nicht nur aufbauend in der Rekonvaleszens, stärkend, beruhigend, schlaffördernd, entsäuernd und stressausgleichend, sie bringt uns auch mit den Themen des ewigen Kreislaufs von Leben und Tod in Verbindung – sie erinnert uns -mit ihren fast schwarzen Beeren an die dunklen Seiten des Jahres, ans Loslassen, Nach-Innen-Gehen. Genießen wir diesen kostbaren Saft Schlückchen für Schlückchen …

Der Rauhreif hat hier im Flusstal Alles mit weißen Kristallen überzogen – Bäume, Spinnweben, Zäune, Gras … – wunderschön! Die Pflanzen scheinen unter diesem tagelangen Frost völlig erstarrt und leblos. Aber vielleicht wirkt das nur äußerlich so. Als es neulich mal wärmer war und Gras und Kräuter auftauten, besuchte ich „meine“ Brennnesseln, die ich 2 Tage davor als „Eiskonfekt“ gesammelt hatte. Tatsächlich standen sie fest, lebendig und tiefgrün – was für eine Überraschung, was für eine Kraft! Sicherlich können sie diese Fähigkeit, mit der Kälte umzugehen, an uns weitergeben. Dazu noch ist es lebendige und frische Nahrung. Und vor Allem: sie verstoffwechseln Sonnenlicht. Das Licht braucht gut 7 Minuten, um von der Sonne zur Erde zu gelangen, und in ein paar Zehntelsekunden macht die Pflanze mittels der Photosynthese daraus ihr Blattgrün. Die Brennnessel ist eine der chlorophyllreichsten Pflanzen. Wenn wir diese Kräuter sammeln und in den Eintopf geben, essen wir also etwas, was vor einer viertel bis halben Stunde noch Sonne war – regionale, nachhaltige, leckere Sonnentherapie!

Die Wiese war heute steif gefroren, an steilen Stellen bin ich ausgerutscht und mußte mich mühen, hochzukommen.
Eine letzte Chance, frische Brennnesseln zu sammeln, denke ich und breche das “grüne Eiskonfekt” in meinen Korb. Wouh, manche brennen sogar noch in diesem Zustand, was für eine Power! Nach einiger Zeit habe ich eiskalte Hände und beschließe, das Mittagessen durch meine Trockenvorräte an Brennnesseln zu ergänzen.
Zuhause stelle ich den Korb in den kalten Flur, damit die Nesseln nicht zu schnell auftauen und matschig werden. Von meinen getrockneten Nesselblättern aus dem Sommer weiche ich einige ein, eine halbe Stunde reicht. Blätterteig habe ich vorrätig, schneide ihn in Rechtecke von ca. 10 × 15 cm. Dann wird die Füllung gemischt: 1-3 zerdrückte Knoblauchzehen, 150-200 g Gorgonzola, 1-2 Tassen kurz gedämpfte Brennnesseln, 1-2 Eier, nach Belieben noch 3 EL Semmelbrösel mit der Gabel gut durchmengen. Die Teigrechtecke werden mit je einem Häufchen Mischung belegt, ganz zugeklappt und 20 – 30 Minuten bei 200 Grad gebacken. Jetzt kommt die Herausforderung, sie nicht schon knallheiß in den Mund zu stecken – schweeeeer – aber das würde eher zu verbrannten Zungen führen als zu Genüssen. Warm bis lauwarm schmecken sie dann superlecker, und die Reste essen wir auch kalt sehr gerne.
Nachmittags schaue ich neugierig auf der Wiese nach, ob die Nesseln schon aufgetaut sind – nein, immer noch knusprig wie Chips. Später werden sie matschig und braun werden – auf Wiedersehen im nächsten Jahr, Ihr Lieben!

Zeit für einen besonderen Smoothie: auf meiner Meditationswiese finde ich schönen jungen Giersch, bei uns im Garten dann Brennnesseln, Lungenkraut, Knoblauchrauke, Gundelrebe, Löwenzahn und ein Blatt Schöllkraut. Zusammen mit Apfelsaft und Ananassaft kommen sie in den Mixer, währenddessen röste ich trocken in der Pfanne 2-3 Esslöffel Sesam. Wenn er leicht gebräunt ist und lecker duftet, kommt er auch in den Mixer, und Alles wird weich “gesmootht”. Mmmhhh, lecker, diese Gesundheitspflege!! Da trinken auch Grünkraft-Muffel gerne mit!

Schon lang vernarbte emotionale Wunden schmerzen wieder und ich gehe zu meiner alten Weide auf dem Wildkräutergelände, um mit ihr zu sprechen. Sie ist in der Mitte auseinander geborsten und zerfällt in dieser Wunde zu Mulm, aus dem Schöllkraut, Brennnessel, Taubnessel, Gundelrebe, Knoblauchrauke und sogar Holler wachsen. Zwei ihrer dicken Äste liegen auf dem Boden, aus ihnen sprießen Jahr für Jahr neue Zweige und Blätter. Immer wieder hat sie uns von der Rinde dieser Zweige für unsere Schmerztinkturen geschenkt. Wir haben vorsichtig darum gebeten, uns bedankt und sie mit Geschenken und Beifuß-Rauch geehrt. So wie wir Menschen geben auch die Pflanzen gerne von sich, wenn ihre Gaben wertgeschätzt werden.
Meine uralte Freundin erzählt mir von ihrem Lebensfeuer trotz all der Verletzungen, von der Freude, etwas weiter zu geben im großen Ganzen. Nächstes Jahr wird sie nirgends geschält werden, denn ich plane ein Schonprogramm – weniger Seminare und mehr Zeit zum Schreiben – gut für sie und für mich! In den Seminaren können wir sie trotzdem besuchen und in ihrer deutlichen Signatur lesen – Bachblüte Willow: für diejenigen, die Schlimmes erlebt haben und von ihr lernen können, nicht zu verbittern und zu verhärten, sondern mit aller Kraft weiterzuleben, und den Pflanzen, den Tieren (für Bienen ist sie sehr wichtig!) und auch den Menschen ihre Geschenke zu geben.
Ja, auch in mir kann aus den Wunden Neues wachsen, ich finde immer mehr meine Aufgabe, “gedüngt” von den alten Schmerzen. “Uroma Weide” und die gesamte Grünkraft lehren mich, im Augenblick zu sein, in der Freude an diesem Leben!
Gestärkt von diesen Gedanken radle ich zurück, um diesen Tagebucheintrag zu schreiben…

Für meine Morgenmeditation lehne ich mich heute an einen alten Apfelbaum hoch oben auf der Wiese. Am Hügelkamm gegenüber kommt blau und rosa der neue Tag herauf. Die Äste meines Baumes reichen fast bis zur Erde. Hohe Klettenlabkräuter und Brennnesseln sind in die Äste hinein gewuchert und machen eine geschützte Höhle mit kleinem “Ausguck”. Erst nachdem ich mich eine ganze Weile still an diesem Ort aufgehalten habe, sehe ich, was mich die ganze Zeit umgibt: reife Brennnesselfrüchte in dicken Rispen an den alten Stengeln. Wie schön, da kann ich bald noch meinen Wintervorrat an “Superfood” auffüllen! Brennnesselfrüchte geben Energie, können Erschöpfung lindern und enthalten wertvolle Fettsäuren. Früher sollen gewitzte Pferdehändler ihre alten Gäule vor dem Verkauf mit Brennnesselfrüchten gefüttert haben, so dass diese vital, energiegeladen und mit glänzendem Fell einen besseren Preis erzielten. Die Früchte schmecken lecker, wenn sie trocken in der Pfanne angeröstet werden. Sie können dann übers Müsli, über Salate, Suppen, Gemüse gestreut oder zu einem Brotaufstrich verarbeitet werden.
Aber heute muß ich sie nicht mit nehmen. Wegen meiner Termine würde es hektisch werden, und die heilkräftigen Pflanzen unter Stress zu sammln und zu verarbeiten, ist ja nicht Sinn des Ganzen. Jetzt freue ich mich einfach an der stillen Schönheit hier und an meiner Entdeckung!

Heute gabs zum ersten Mal dieses Jahr ein richtiges “Herbststürmchen”, vielleicht 50-60 km/h. Wir sind zum Kamm eines kleinen Berges aufgestiegen und haben uns so richtig durchpusten lassen. Manchmal hab ich die Arme ausgebreitet und der Wind hat meine Jacke erfasst und mich geschoben, juhu! Über den Himmel hat er grau-weiße Wolkenfetzen getrieben. Schon gegen halb 4 wurden sie langsam zart apricot-farben … .
Wenns so kräftig windet, werfen uns die Pappeln besonders viele Blatt-Knospen ab, es lohnt sich also, bald danach zu schauen. Ich liebe Pappelknospentee mit seinem balsamischen Duft. Die Pappeln schenken uns wie ihre Weide-Schwestern Salicylsäure, die – wie Aspirin – entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt. Die blutverdünnende Wirkung ist bei den pflanzlichen Salicylsäuren nur schwach vorhanden. Der große Vorteil der pflanzlichen Salicylsäuren ist, dass sie in einer Vorform von Acetylsalicylsäure durch den Magen gehen und deshalb nicht wie das Aspirin bei längerem Gebrauch Magenblutungen auslösen! Erst in der Darmschleimhaut werden sie dann zu ASS umgebaut. Die Pharmaindustrie, die diesen in der Weide entdeckten und aus Mädesüß zum ersten Mal extrahierten Stoff synthetisch nachbaut, kriegt das eben nicht so genial hin wie unsere Pflanzen :) …
Die Pappel ist ja auch eine Bachblüte – Aspen. Aspen hilft bei unklaren Ängsten, ist hilfreich für sehr sensible, empfindliche, leicht zu beängstigende Menschen – die eben leicht mal “Zittern wie Espenlaub” – Espe ist ein anderer Name für die Zitterpappel. Die Zitterpappel, populus tremula, aus der Familie der Salicaeae, der Weidengewächse, zeigt diese Pappelsignatur am deutlichsten: beim leichtesten Windstoß beginnen ihre Blätter zu flattern und zu “zittern”. So reagieren auch manche Menschen: beim leichtesten Wind, der leichtesten Irritation von außen beginnen sie zu flattern. Ihre Sensibilität ist eine Gabe, kann aber auch sehr anstrengend sein. Da kann die Pappel unterstützen, ruhiger zu werden, mehr Erdung zu bekommen und Gelassenheit. Die schnellste Wirkung wird wohl die Blütenessenz zeigen, gut sind aber auch Pappelknospentee oder – ebenfalls balsamisch duftend – eine Pappelknospenräucherung (diese natürlich aus getrockneten Knospen).

Morgens hat es stundenlang „geschüttet wie aus Kübeln“. Also ausnahmsweise mal nicht auf der Wiese meditieren… Wie sehr habe ich es da genossen, in einem trockenen und warmen Haus zu sitzen!
Als die Wolken abzogen, gings nach draußen, der Himmel war wie blankgewaschen. Am Wegesrand habe ich einen dicken Buschen Vogelmiere – Stellaria media – gefunden und hatte schnell einen Beutel voll gepflückt. Sie gilt ja als antiviral, ein wunderbarer Schutz in diesen Zeiten. Mittags gab es Salat daraus mit einer Vinaigrette aus nativem Öl, Balsamico-Essig, frischgemahlenem Pfeffer, Sojasoße und geröstetem Sesam – frisch und lecker!

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