Von diesem Johannisbeer-Strauch (s. 15.3.) hatte ich noch viele Zweige voller Knospen – so viel Heilmittel werde ich wohl nicht brauchen in den nächsten 2 Jahren. Wenn ich diesen Buschen in die Hand nehme, entströmt ihm ein leckerer Duft nach Schwarzen Johannisbeeren, ein Cassis-Aroma. Also habe ich die Knospen in Rohrohrzucker eingelegt. Heute rühre ich damit einen Quark an: er schmeckt köstlich nach Cassis!

Ich habe ein wertvolles Geschenk bekommen: Johannisbeerknospen! Eine sehr aufmerksame Frau hatte meinen Zeitungsartikel über Knospentherapie gelesen, in dem ich die Schwarze Johannisbeere als die „Königin“ dieser Therapie beschreibe. Sie rief mich daraufhin an und bot mir an, von ihrem Strauch die Knospen zu holen, weil er Baumaßnahmen weichen muss. Das habe ich gerne gemacht und wurde dabei sehr nett unterstützt. Nun steht ein Grundansatz für dieses Heilmittel auf einem schattigen Fensterbrett, er mazeriert in hochprozentigem Glycerin und Alkohol. Wenn ich in 3 Wochen dann abfüllen kann, habe ich ein wunderbares Präparat: antiantzündlich, antiallergisch, antirheumatisch, gegen Migräne, Stimmbandprobleme, Erkältungen, ein Adaptogen in Stresssituationen, auch fürs Immunsystem – danke an diese Pflanze und an Frau T.!!

Der März-Winter ist eingebrochen. Morgens hatte es geschneit und als ich auf dem Weg zur „Meditationswiese“ an meiner Löwenzahnstelle vorbei komme, ist Alles weiß bedeckt und ich kann nichts erkennen. Wie schade, heute wollte ich für Gäste Löwenzahnsalat zum Mittagessen machen! Ich meditiere, die Sonne kommt heraus und schmilzt mir meine Löwenzähner frei. So kann ich erstmal meine 3 morgendlichen Entschlackungsblättchen essen, und dann tatsächlich einen Korb voll Löwenzahnrosetten schneiden, jung und zart, ca. handgroß. Dazu noch eine Tüte voller Würzkräuter für die Hirsebratlinge: Brennnessel, Giersch, Gundelrebe, Taubnessel und breitblättriger Ampfer. Den Löwenzahnsalat werde ich heute mal „französisch“ machen, d.h. ganze Rosetten in einer Vinaigrette aus Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer, dazu gekochte Eier, noch heiß geschnitten und untergemengt, oder heißer Speck. Das Mittagessen ist gerettet! Auch meine 95-jährige Besucherin isst den Salat und die Bratlinge mit Begeisterung.

Gestern durfte ich einen Vorgeschmack vom Sommerglück genießen: mittags lag ich am Ederufer in der Sonne und habe warm und entspannt mein Mittagsschläfchen gehalten!
Vorher hatte ich träge in den vorbei strömenden Fluss geschaut, und ab und an eine Feldsalatrosette oder einen Stängel Vogelmiere genascht – mmmhhhh, so mild und aromatisch, oder ein Blättchen Löwenzahn mit seiner frischen Bitternote. Das ist ein „Freizeitprogramm“, das mich mit tiefem Glück erfüllt. Fidu, meine Hündin, hätte mich aber nicht mit lautem Gebell direkt an meinem Ohr aus dem Schlaf reißen müssen, nur weil am der gegen überliegenden Ufer Leute vorbei kamen … :( … :)

Für meinen Kräuterdip habe ich heute 11 verschiedene wilde Kräuter gesammelt, zarte junge Blättchen, die sich vital zwischen den Flecken von übriggebliebenem Schnee emporschieben: Wegerich, Taubnessel, Brennnessel, Gundelrebe, Ehrenpreis, Knoblauchsrauke, Vogelmiere, Klettenlabkraut, Giersch, breitblättriger Ampfer, Schafgarbe. Sie bringen noch nicht viel „Masse“, aber höchste Qualität – hochkonzentrierte Aromen und Vitalstoffe!
Zuhause mische ich sie ganz fein geschnitten mit Schmand, Sojasoße, tiefgefrorenem Dill und Petersilie, süßem Paprikapulver und Kümmel – fertig ist der superleckere Dip für Möhrenstreifen, Paprikastreifen oder auch Kartoffelwaffeln.

Barbaratag war schon vorgestern – aber so streng sind die Pflanzen nicht mit uns: wir können auch in den Tagen danach Barbarazweige pflücken. Frost haben sie jetzt bekommen, nun stellen wir sie in lauwarmes Wasser ins Zimmer. Schlehenzweige eignen sich, Kirschen, Forsythien. In den Rauhnächten werden sie aufblühen und mit uns das zunehmende Licht feiern und einen kleinen Vorgeschmack auf den Frühling geben…

Eine Schneedecke hat Alles mit ihrem hellen Weiß überzogen. Ich sitze oben am Berg, genieße den weiten Blick übers Flußtal, die strahlende Helligkeit. Unter dem Schnee verharren die Kräuter und Bäume, warten ab, bereiten sich vor. Einige Samen brauchen ja den Kältereiz des Winters, um im Frühjahr keimen zu können. Die grüne Kraft fühlt sich verhalten an – bis auf eine eigenartige Kugel, die im Apfelbaum über mir hängt: die Mistel! Sie strahlt auch jetzt aktive Kraft aus, hüllt mich darin ein. Sie knospt, blüht, fruchtet in ihrem eigenen, ganz anderen Rhythmus. Deshalb hilft sie uns ja auch, unseren eigenen Rhythmus zu finden, gerade wenn Herz oder Blutdruck arhythmisch geworden sind. Merkt Euch die Bäume, die viele Misteln tragen, und schaut darunter nach, wenn es mal stürmische Winde gab – oft werden wir dann mit Misteln beschenkt. Die Beeren sind giftig; aus den Blättern und Stängeln könnt Ihr einen Kaltauszug bereiten: 8 Stunden in kaltem Wasser ansetzen, dann trinken, kalt oder leicht erwärmt.

Heuer beginne ich wieder mit unregelmäßigen Tagebucheinträgen.
Ich hatte ja versprochen, noch mehr über Anwendungen der Schlehe zu schreiben; deshalb jetzt hier das Saftrezept: frisch gesammelte Schlehen in einem flachen Gefäß ausbreiten, mit kochendem Wasser übergießen, abdecken, 24 Stunden ziehen lassen. Die Flüssigkeit abseihen und wieder auf 100 Grad erwärmen, wieder die Schlehen übergießen, 24 Stunden ziehen lassen; das Selbe nochmal wiederholen. Nach diesem 3. Mal ist der Saft dunkel, schwer und süß – ohne einen Krümel Zucker! Entweder gleich genießen, weils so unwiderstehlich gut schmeckt, oder zur Haltbarmachung nochmal erhitzen und in Flaschen füllen.
Damit trinken wir einen Stärkungstrunk, der besonders gut in die dunkle Zeit passt. Denn die Schlehe ist nicht nur aufbauend in der Rekonvaleszens, stärkend, beruhigend, schlaffördernd, entsäuernd und stressausgleichend, sie bringt uns auch mit den Themen des ewigen Kreislaufs von Leben und Tod in Verbindung – sie erinnert uns -mit ihren fast schwarzen Beeren an die dunklen Seiten des Jahres, ans Loslassen, Nach-Innen-Gehen. Genießen wir diesen kostbaren Saft Schlückchen für Schlückchen …

Der Rauhreif hat hier im Flusstal Alles mit weißen Kristallen überzogen – Bäume, Spinnweben, Zäune, Gras … – wunderschön! Die Pflanzen scheinen unter diesem tagelangen Frost völlig erstarrt und leblos. Aber vielleicht wirkt das nur äußerlich so. Als es neulich mal wärmer war und Gras und Kräuter auftauten, besuchte ich „meine“ Brennnesseln, die ich 2 Tage davor als „Eiskonfekt“ gesammelt hatte. Tatsächlich standen sie fest, lebendig und tiefgrün – was für eine Überraschung, was für eine Kraft! Sicherlich können sie diese Fähigkeit, mit der Kälte umzugehen, an uns weitergeben. Dazu noch ist es lebendige und frische Nahrung. Und vor Allem: sie verstoffwechseln Sonnenlicht. Das Licht braucht gut 7 Minuten, um von der Sonne zur Erde zu gelangen, und in ein paar Zehntelsekunden macht die Pflanze mittels der Photosynthese daraus ihr Blattgrün. Die Brennnessel ist eine der chlorophyllreichsten Pflanzen. Wenn wir diese Kräuter sammeln und in den Eintopf geben, essen wir also etwas, was vor einer viertel bis halben Stunde noch Sonne war – regionale, nachhaltige, leckere Sonnentherapie!

Die Wiese war heute steif gefroren, an steilen Stellen bin ich ausgerutscht und mußte mich mühen, hochzukommen.
Eine letzte Chance, frische Brennnesseln zu sammeln, denke ich und breche das “grüne Eiskonfekt” in meinen Korb. Wouh, manche brennen sogar noch in diesem Zustand, was für eine Power! Nach einiger Zeit habe ich eiskalte Hände und beschließe, das Mittagessen durch meine Trockenvorräte an Brennnesseln zu ergänzen.
Zuhause stelle ich den Korb in den kalten Flur, damit die Nesseln nicht zu schnell auftauen und matschig werden. Von meinen getrockneten Nesselblättern aus dem Sommer weiche ich einige ein, eine halbe Stunde reicht. Blätterteig habe ich vorrätig, schneide ihn in Rechtecke von ca. 10 × 15 cm. Dann wird die Füllung gemischt: 1-3 zerdrückte Knoblauchzehen, 150-200 g Gorgonzola, 1-2 Tassen kurz gedämpfte Brennnesseln, 1-2 Eier, nach Belieben noch 3 EL Semmelbrösel mit der Gabel gut durchmengen. Die Teigrechtecke werden mit je einem Häufchen Mischung belegt, ganz zugeklappt und 20 – 30 Minuten bei 200 Grad gebacken. Jetzt kommt die Herausforderung, sie nicht schon knallheiß in den Mund zu stecken – schweeeeer – aber das würde eher zu verbrannten Zungen führen als zu Genüssen. Warm bis lauwarm schmecken sie dann superlecker, und die Reste essen wir auch kalt sehr gerne.
Nachmittags schaue ich neugierig auf der Wiese nach, ob die Nesseln schon aufgetaut sind – nein, immer noch knusprig wie Chips. Später werden sie matschig und braun werden – auf Wiedersehen im nächsten Jahr, Ihr Lieben!